Vermerk Stadt zu Stadtklimaexpertise vom 24.01.2014

(Texte kursiv sind von Jendritzky)              

  1. Mit der Untersuchung der Stadtklimatischen Aussagen war das Ingenieurbeüro Lohmeyer, Karlsruhe beauftragt. Der Gutachter T. Nagel hat jeweils im Dialogforum und im Bürgergespräch am 21.01. vorgetragen.Der Untersuchungsauftrag (Leistungsumfang) an Büro Lohmeyer war mit dem Meteorologen Prof. Helmut Mayer (Universität FR) abgestimmt. Ebenso wurden Inhalte und Methodik im Dialogforum ausführlich vorgestellt und erörtert. (Jen: Heißt doch nicht, dass es akzeptiert war. Thema Gesundheitsrisiken fehlt)
  1. Im Dialogforum war seitens Prof. Jendritzky moniert worden, dass die von Büro Lohmeyer erstellte Simulationsberechnung (mit Universitätsbebauung und Stadion) von den ebenfalls erhobenen Messdaten des Deutschen Wetterdienstes DWD abweichen würden. Prof. Jendritzky hat darauf kritisiert, dass die Simulationsberechnungen auf einer dafür nicht ausreichend dichten Datenbasis aus Messpunkten in nicht ausreichender Anzahl basieren (Jen: Nein! Ich hatte bemängelt, dass die Simulationsergebnisse nicht vorliegende Beobachtungsdaten reproduzieren. Bei der mesoskaligen Windfeldmodellierung ergab sich ein Windrichtungsfehler um die maximal möglichen 180°! Im sog. Worst Case Szenario der Lufttemperatur wurde nachts zwischen Flugplatz und Umgebung nur 0,5°C unterschied in der Lufttemperatur simuliertt, statt der typischen >6°C. Die in der Strahlungstemperatur- Karte aus dem Klimagutachten 2003 gefundene räumliche Temperaturstruktur wird also nicht mal ansatzweise gefunden.  > Fatal Error! Ich folgere daraus, dass -abweichend von der Darstellung der Stadt in der Drucksache G-14/003.1- die Voreinschätzung keine belastbare wissenschaftliche Basis hat. Das hätte der Gutachter auch selbst merken können. Ich lege Wert darauf, dass meine Bewertungen nicht einfach Meinungsäußerungen darstellen, sondern in jedem Fall fachlich begründet sind. Entsprechend meiner Zusage im Dialogforum sowie dem expliziten Wunsch der Stadtplanerin Frau Köhler habe ich allen Beteiligten eine über dreiseitige Begründung geschickt). Der Gutachter T. Nagel hat darauf hin die Simulationsberechnung nochmals überarbeitet, um die Ergebnisgenauigkeit zu schärfen (Jen: Die bisherigen Ergebnisse sind, zumindest was die Simulation des Ist-Zustandes angeht, nicht etwas unscharf, sondern leicht nachprüfbar schlicht falsch.). Dazu ist zu den online stehenden Gutachten eine entsprechende Erklärung vorangestellt, in der darauf hingewiesen wird.  Aufgrund dieses Umstands und der noch ausstehenden Abstimmung mit Prof. Mayer sind die Stadtklimatischen Aussagen ausdrücklich als Entwurf gekennzeichnet. (Jen: In dem „Gutachten war die mesoskalige Modellierung ohne Angabe von Gründen einfach zurückgezogen worden.)
  1. Die schriftliche Ausarbeitung konnte aufgrund der sehr aufwendigen Berechnungen erst am 9.Januar vorgelegt werden. Bis zur Veröffentlichung am 10.01. war keine fachliche Abstimmung i.S. eines Gegenchecks durch Prof. Mayer möglich.
  1. In der Bürgerinformation am 21.01. hat der Gutachter T. Nagel ausdrücklich darauf hingewiesen, dass mit dem Ziel größtmöglichen Genauigkeit und Kongruenz mit den Daten des DWD weitere Messdaten erhoben werden müssen, welche in einem sehr zeitaufwendigen Verfahren in die Simulation einzuarbeiten sind (Jen: Herr Nagel hat in Kenntnis der Fehler seine “Ergebnisse“ gleichwohl mit nur marginaler Relativierung bei der Bürgerinformation vorgetragen. Nach meiner begründeten Kritik hätte man die Präsentation suggestiv wirkender bunter Bilder unterlassen müssen. Es geht auch nicht nur um die Daten des DWD, sondern um Kongruenz mit den bisherigen Gutachten, die bisher Grundlage für die Einschätzung der Rolle des Flugplatzes waren). Bis zu zur Entscheidung des Gemeinderats am 25.02. ist dies allein aus zeitlichen Gründen nicht möglich.T. Nagel hat ebenso darauf hingewiesen, dass seine bisher erarbeiteten Aussagen bestätigen, dass die stadtklimatischen Auswirkungen kein K.O.-Kriterium gegen den Bau eines Stadions darstellen. (Jen: Das ist bemerkenswert. Wenn die vorgestellten Simulationsergebnisse substantiell nicht belastbar sind, mit welcher Basis  begründet der Gutachter denn seine Aussage kein K.O.-Kriterium? Was wäre denn eigentlich ein K.O.-Kriterium beim Thema Klima? Bei Klima gibt es keinen (gesetzlichen)  Grenzwert, den man einhalten muss. Damit ist jede noch so willkürliche Aussage über Auswirkungen trivialerweise immer richtig)
  1. Am 22.01. hat auf Wunsch des Stadtplanungsamts als Auftraggeberin der Stadtklimatischen Aussagen an Büro Lohmeyer ein Gespräch des Gutachters T. Nagel mit den Meteorologen Prof. Jendritzky (Bürgerinitiative Pro Wolfswinkel) und Prof. Mayer (Universität Freiburg) stattgefunden, um den von Prof. Jendritzky monierten Dissens fachlich zu klären.
  1. Ergebnis, so heute schriftlich von Prof. Helmut Mayer an Bürgermeister Prof. Haag bestätigt:

    1. Das Leistungsprofil für das umweltmeteorologische Gutachten ist in Ordnung. (Jen: Das entscheidende Thema „Gesundheitsrisiken durch Stadtklima“ kommt nicht vor)2. Es wurde ein renommiertes Ingenieurbüro (vertreten durch Herrn Nagel) als Gutachter ausgesucht und beauftragt.3. Die Methodik, die in den bisher vorliegenden „Stadtklimatischen Aussagen zum möglichen Standort des SC-Stadions am Flugplatz in Freiburg i.Br.“ des Gutachters zur Anwendung kam, ist prinzipiell in Ordnung und entspricht dem „aktuellen Stand der Wissenschaft“. (Jen: nützt aber nichts, wenn Mess-und Beobachtungsdaten nicht reproduziert werden können. Wieso braucht man zwei unterschiedliche mikroskalige Modelle, um die meteorologischen Bedingungen im Umfeld des Flugplatzes darzustellen? Eine Validierung von Simulationsergebnissen durch Messungen ist zwingend erforderlich!)4. In einem konstruktiven Fachgespräch zwischen der Stadt, Herrn Jendritzky, Herrn Nagel und Prof. Mayer am Mittwoch, 22.1.2014, wurde dies so bestätigt. (Jen: Ich habe mich dazu nicht geäußert. Das Mindeste, was man von einer Modellsimulation verlangen muss, ist, dass Mess- bzw. Beobachtungsdaten reproduziert werden; s.o.).

    5. In dem Gespräch hat man sich auch verständigt, dass in den von Herrn Nagel vorgelegten „Stadtklimatischen Aussagen …“ genau definierte Konkretisierungen notwendig sind. Einige umweltmeteorologische Aspekte müssen differenzierter analysiert werden. (Jen: Was immer das konkret heißen mag. Hier hat  Prof. Mayer noch eine große Aufgabe vor sich).

    6. Aus Sicht der Umweltmeteorologie hat ein Vorhaben mit solcher Größe immer negative Auswirkungen auf die atmosphärische Umwelt. Auf der Grundlage bisheriger umweltmeteorologischer Erkenntnisse ist allerdings davon auszugehen, dass die negativen Auswirkungen im vorliegenden Fall nicht das Ausmaß und die Intensität eines k.o. Kriteriums erreichen werden. (Unterstreichung durch Stadt Freiburg) (Jen: Die Aussage des 2. Satzes wird von mir bestritten. Zu K.o.-Kriterium siehe Bemerkung oben. Die früheren Gutachten (=bisherigen umweltmeteorologischen Erkenntnisse) haben das Freihalten der Frischluftschneise Flugplatz empfohlen. Die Diskussion Bebauung Flugplatz war mit dem Bürgervotum 1995 eigentlich abgeschlossen. Wenn das jetzt nicht mehr richtig sein soll, muss das zunächst bewiesen werden, insbesondere was die Gesundheitsrisiken angeht. Auf Basis meiner langjährigen Beobachtung der Strömungsverhältnisse im Bereich des Flugplatzes gehe ich durchaus davon aus, dass durch die wegen des Stadions notwendige Verschiebung des Baufensters der Uni nach Westen sich signifikante Nachteile für den Stadtteil Mooswald ergeben werden)

    Die von Herrn Nagel am Dienstagabend gemachten Aussagen sind als Kurzform der „Stadtklimatischen Aussagen zum möglichen Standort des SC-Stadions am Flugplatz in Freiburg i.Br.“ zu verstehen. Sie können als eine gutachterliche Voreinschätzung aufgefasst werden, die zu einem abschließenden Gutachten mit (bisher nicht) belastbaren Aussagen auszuarbeiten ist.

 

Dies bedeutet, dass bis zu der Gemeinderatsentscheidung am 25.02. keine abschließende Aussage zu den stadtklimatischen Aussagen vorliegen wird. (Unterstreichung durch Jen. Auch keine belastbare Vorläufige.)

Im Falle einer Weiterführung der Planung durch das Bebauungsplanverfahren (Entscheidung des Gemeinderats am 25.01.) ist ohnehin ein detailliertes Gutachten zu den stadtklimatologischen Auswirkungen erforderlich, das weit über die Überprüfung von möglichen K.O.-Kriterien hinaus geht und die bisher noch nicht zu leistenden detaillierten Untersuchungen auf der Basis weiterer Messdaten beinhalten wird.

Jen: Der Vermerk des Stadtplanungsamtes diente als Vorlage für die Beschlussvorlage an den Stadtrat und die Pressemitteilung vom 13.02. In letzterer wird festgestellt, dass „die Vorwürfe ausgeräumt seinen“ NEIN, „methodisch korrekt nach dem Stand der Wissenschaft vorgegangen worden sei“ NEIN und man „überrascht sei über einzelne Äußerungen zur Qualität der Expertise“ Ich bin überrascht, wie die Stadt die Simulationsfehler ausblendet. Ich hoffe, die Stadträtinnen und Stadträte erkennen das. Ich habe am 17.02. OB Dr. Salomon in einem „Offenen Brief“ meine Sicht dargestellt. Da ich von Seiten der Stadt gerügt wurde wegen meines inhaltlich richtigen Vergleichs der Mortalität 2003 in Baden-Württemberg durch Hitze (in wenigen Wochen fast 3x mehr als Verkehrstote im ganzen Jahr), habe ich auf Basis einschlägiger Literatur einen Aufsatz beigegefügt, in dem ich die stadtplanungsrelevanten Fakten zu den Gesundheitsrisiken im Klima von Freiburg zusammengetragen habe. Daraus geht epidemiologisch belegt hervor, dass jede noch so marginale Verschlechterung der klimatologischen Bedingungen in der Stadt das Gesundheitsrisiko der Bevölkerung durch Wärmebelastung erhöht.

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