Präsentation „Klima“ bei Bürgerversammlung, Prof. Dr. Gerd Jendritzky

Aufgrund einer Intervention der Stadtverwaltung erkläre ich hiermit, dass ich mich hier nicht im Namen der Professur für Meteorologie und Klimatologie äußere, auch wenn diese nach meiner Pensionierung vom [DWD] meine wissenschaftliche Heimat geworden ist.

Folie 1: Nächtliche Strahlungstemperatur

Folie 1: Nächtliche Strahlungstemperatur

Die Darstellung der nächtlichen Strahlungstemperatur aus der Stadtklimaanalyse 2003 zeigt sehr deutlich die thermischen Unterschiede in Freiburg. Wichtig zum Verständnis des Problems ist nun, dass der „Höllentäler“ mit seiner Wohlfahrtswirkung nicht sämtliche Bereiche der Stadt erreicht. Dies gilt insbesondere für den Flugplatz und die direkt benachbarten Gebiete Mooswaldsiedlung und Brühl-Beurbarung bis hin zur Uni-Klinik. Mit dem nördlich anschließenden Mooswald bildet sich hier aber ein Eigenklima aus, das sich vorteilhaft auf die Lufttemperatur und die Durchlüftung der bewohnten Gebiete auswirkt, Deshalb ist hier im rechtsverbindlichen Regionalplan ein „Regionaler Grünzug“ ausgewiesen, auf dem sich jegliche Bebauung verbietet. Dabei geht es nicht nur um Klimaschutz. Es geht um den Schutz des Menschen vor Gesundheitsgefahren z.B. bei Hitzewellen. Im Hitzesommer 2003 wurden in [BW] innerhalb weniger Wochen fast 3x mehr Hitzetote gezählt als Verkehrstote im ganzen Jahr!

 

Folie 2: Fünf-Finger-Plan „Green City“

Folie 2: Fünf-Finger-Plan „Green City“

Auf Basis der zahlreichen Analysen zum Freiburger Klima bekennt sich die Stadt folgerichtig zu einem gesunden und ausgeglichenen Stadtklima, dem Prinzip einer nachhaltigen Stadtentwicklung und legt Wert darauf, Kaltluftentstehungsgebiete und Luftleitbahnen von Bebauung freizuhalten. Dies entspricht genau der erklärten Landespolitik zur Anpassung an die globale Klimaänderung. Das Gebiet des „Regionalen Grünzuges“ ist Teil des Fünf-Finger-Planes. Aber der geplante Standort des SC Stadions mit der dafür notwendigen Verschiebung des Baufensters der Universität nach Westen konterkariert alle vorgenannten Argumente, frühere Gutachten und Prinzipien!

Folie 3: Kernaussagen zu Klimagutachten (Kurzfassung)

Folie 3: Kernaussagen zu Klimagutachten (Kurzfassung)

Der Gutachter simuliert „Klima“ über physikalische Modelle. Mindestvoraussetzung für die Eignung eines Modells ist, dass es Beobachtungsdaten, das heißt die Wirklichkeit, reproduziert. Das ist hier nicht durchgehend der Fall.

  1. Die (inzwischen zurückgezogene) regionale Klimasimulation berechnet nachts im Umfeld des Flugplatzes genau das Gegenteil einer typischen Windrichtung: Fatal Error!
  2. Auch die kleinräumigen Modelle simulieren weder den Ist-Zustand hinreichend korrekt,
  3. noch berücksichtigen sie die lokalklimatologisch bedeutsame Kaltluftproduktion auf dem Flugplatzgelände, das Eigenklima. Hinzu kommen zahlreiche weitere Schwächen in der Anwendung,
  4. so dass ich nach ausgiebigen Diskussionen mit mehreren Fachkollegen zu dem Schluss kommen muss, dass die Simulationsergebnisse zumindest quantitativ nicht belastbar sind. Damit sind auch gutachterliche Aussagen über die Auswirkungen der geplanten Bebauung unbegründet!
  5. Es wird nicht vertrauenswürdig nachgewiesen, dass Gesundheitsgefährdungen für die Bevölkerung in der Nachbarschaft des Flugplatzgeländes, insbesondere durch die Verschiebung des Uni-Baufensters nach Westen, ausgeschlossen werden können.

Ein Bebauungsplan auf Basis eines fehlerhaften Klimagutachtens ist rechtswidrig und damit unwirksam!

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