Wohnen contra Naturschutz BZ vom 05.03.2014, S. 22, Jelka Louisa Beule

Nach dem Entwurf der Fortschreibung des Regionalplanes des Regionalverbandes Südlicher Oberrhein soll der jetzt noch rechtverbindliche „Regionale Grünzug“ Mooswald-Flugplatz entfallen. Dafür „gebe es schon länger Überlegungen“ und das hat “nichts mit dem Standort des SC Stadions zu tun“ (welch ein Zufall). In Wahrheit spart man sich die „gewichtigen Argumente“, die man für ein Zielabweichungverfahren bei einem Standort Wolfswinkel des SC Stadions benötigen würde. In der Begründung heißt es, der Mooswald sei als FFH-Gebiet nach Europäischem Recht bereits vor Bebauung geschützt und man halte im Hinblick auf Deregulierung einen weitern Schutz für entbehrlich. Der damit „isolierte“ Rest („ohne Bezug zu anderen wichtigen Strukturen“) Flugplatzareal sei regionalplanerisch unbedeutend („mache an dieser Stelle keinen Sinn mehr“) und falle nicht mehr in die Zuständigkeit des Regionalverbandes Südlicher Oberrhein (Vorsitz: Erster Bürgermeister Neideck, Freiburg), sondern in die Planungshoheit der Stadt Freiburg. Diese formale Argumentation negiert schlicht die klimatologische Grünzug-Funktion von Mooswald-Flugplatz mit ihrer Bedeutung für die Gesundheit der Bevölkerung im Nordwesten von Freiburg einschließlich der Uni-Klinik z.B. bei Hitzewellen. Sie konterkariert sowohl Begründungen für den Fünf-Finger-Plan von Green City als auch die Forderung der Landesregierung nach Sicherung und Entwicklung von mehr Kaltluftentstehungsgebieten und Frischluftschneisen im Hinblick auf die Klimaänderung. Aufgrund der demographischen Struktur der Freiburger Bevölkerung ist die Vulnerabilität (Verletzlichkeit) hier besonders hoch (2013: Zahl der Todesfälle pro 100.000 Einwohner 47% über Landesdurchschnitt!). Vor dem Hintergrund der belegbaren Fakten zu den bereits existierenden Gesundheitsrisiken durch Klimawirkung ist das Handeln der Entscheidungsträger der Stadt Freiburg und des Regionalverbandes in den gesetzlich vorgeschriebenen Abwägungsprozessen nicht nachvollziehbar.

Prof. Dr. Gerd Jendritzky                                                  Waldkirch, den 06.03.2014

 

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