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Stadionneubau und das „Internationale Jahr des Bodens“ in der „Green“ City Freiburg

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Am 1. Februar 2015 findet in der „Green“ City Freiburg ein Bürgerentscheid zum Stadionneubau des SC-Freiburg statt. Das Jahr 2015 wurde von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Jahr des Bodens“ ausgerufen. Gemäß Beschluss in der UN-Generalversammlung bietet das „International Year of Soils 2015“ eine Plattform zur Bewusstseinsbildung für die Bedeutung des Schutzes der Böden weltweit, der Sicherung der Ökosystemfunktionen und im Umgang mit den Anforderungen des Klimawandels für jetzige und künftige Generationen.

Bei der bisherigen Stadiondebatte ist es mehr als erstaunlich, dass die Frage der Finanzierung im Vordergrund steht und nicht der explodierende Flächenverbrauch und die Naturzerstörung in der „Green“ City. Gerade im „Internationalen Jahr der Böden 2015“ ist das in einer Stadt, die sich selber gerne „Grün“ nennt, mehr als bedauerlich.

Erstaunlich ist auch, welch geringen Stellenwert in der „veröffentlichten Meinung“ die gemeinsame Stellungnahme aller großen Naturschutzverbände der Stadt gespielt hat.

Während bundesweit die Bevölkerung trotz Zuwanderung schrumpft, versprechen viele Politiker in Freiburg und Südbaden immer noch unbegrenztes Wachstum, ein Wachstum auf Kosten der schrumpfenden Gemeinden in manchen Schwarzwaldtälern und vieler anderer, auch weit entfernter Regionen.

Die jetzt für das SC-Stadion vorgesehene Fläche ist einer der wenigen größeren Freiräume in der Rheinebene, die das Freiburger Stadtgebiet (noch) hat. Schon die Diskussion über die Notwendigkeit eines neuen Stadtteils lässt ein Bewusstsein für die Bedeutung der verbleibenden Freiräume (in Freiburg, am Oberrhein) und für die Grenzen des Wachstums vermissen. Wenn aber überhaupt noch Freiflächen in Freiburg bebaut werden sollen, dann doch für Wohnbauzwecke, die im öffentlichen Interesse sind, und dann sollten nicht Spekulanten bedient werden, sondern es muss sorgfältig, nachhaltig, sozial verträglich, flächensparend und unter überregionalen Aspekten geplant werden. Ein Stadion auf einer „der letzten grünen Wiesen Freiburgs“ aber ist in einer “ Green“ City nicht akzeptabel.

Von Freiburg nach Offenburg, dort wo Freiburg entlang der B3 einen seiner Siedlungsarme ausstreckt, sind es 68 Kilometer. Es gibt noch einen unbebauten „Freiraum“ von 17,7 km und 50,3 km Siedlungs- und Industrieflächen, ein zunehmend hässlicher, unstrukturierter Siedlungsbrei.

Die in diesem „Jahr der Böden“ geforderte „Bewusstseinsbildung für die Bedeutung des Schutzes der Böden und zur Sicherung der Ökosystemfunktionen“ haben wir in der bisherigen Stadiondebatte vermisst, aber „Brot & Spiele“ sind scheinbar wichtiger als Debatten um Nachhaltigkeit und um die Freiburger Grenzen des Wachstums.

Eine kleine Differenzierung zum Schluss:
Freiburg plant und baut zumindest noch ein wenig ökologischer und flächensparender als die wuchernden Umlandgemeinden.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer

  • Ein solcher pointierter Text kann selbstverständlich nicht differenziert auf die Flächenverbrauchsproblematik
    in Freiburg und am Südlichen Oberrhein (und auch auf die immer damit verbundenen sozialen Fragen) eingehen.
  • Hier finden Sie einen Vortrag zu diesem komplexen Thema
  • Hier finden Sie die Stellungnahme der Naturschutzverbände
  • Hier geht´s zu Lob und Kritik für die Green City Freiburg