PDF_iconOffener Brief an:

Alle Dienstleistungsbetriebe
im Stadtteil Mooswald
79110 Freiburg

 

Sehr geehrte Damen und Herren ,

seit Wochen bestimmt die Berichterstattung über den geplanten Neubau eines SC Stadions die Medien. Wie sehr dieses Thema die Bürgerinnen und Bürger in Freiburg bewegt, kann man auch an den zahlreichen Kommentaren und Leserzuschriften erkennen. Schließlich geht es um weit mehr, als nur ein neues Stadion. Dass dieses aus wirtschaftlichen Gründen für den Verein von großer Bedeutung ist, möchten wir als Bi Pro-Wolfswinkel nicht in Abrede stellen, auch nicht die identitätsstiftende Wirkung des Vereins auf seine Anhänger und treuen Fans. Und daher möchten wir auch die Interessen der anliegenden Stadtteile im Verfahren gewahrt sehen. Aus diesem Grunde beteiligen wir uns an der kontroversen Diskussion und möchten zur Abwägung der Argumente beitragen. Vor allem transparent und offen diese darlegen, damit Sie, als Betroffene des Stadtteils Mooswald beim Bürgerentscheid die richtige Entscheidung treffen.

Wir sind aus Umwelt-, Arten- und Naturschutzgründen gegen ein neues Stadion am Wolfswinkel.

Für dieses würde eine der wertvollsten verbliebenen Biotopflächen im Stadtgebiet geopfert werden. Die Heimat für viele seltene Tiere und Pflanzen würde verloren gehen. Der einzigartige Magerrasen ist auch Kaltluftentstehungsgebiet. Diese versorgt die angrenzenden Stadtteile mit kühlem Wind. Wird diese wichtige Kaltluftschneise weiter zugebaut, hat das gravierende Auswirkungen auf das Klima in den angrenzenden Stadtteilen und auf die Gesundheit der dort lebenden Menschen.

Abgesehen davon sehen wir auch Fragen des Lärmschutzes nicht ausreichend geklärt. Welche zusätzlichen Belastungen kommen auf den Stadtteil Mooswald zu. Das Stadion liegt nur    400 m vom Wohngebiet entfernt. Dass es dabei zu Lärmbelästigungen, auch in den Abendstunden kommt, ist schon jetzt absehbar. Daher wird der SC auch dort nur mit Sondergenehmigungen spielen können.

Eine weitere wichtige Fragestellung für uns, ist das zusätzliche Verkehrsaufkommen an Spieltagen.

Der Verkehr hat insgesamt durch die Verdichtung und neue Bebauung im westlichen Teil der Stadt erheblich zugenommen. Die zahlreichen Staus und Verkehrsbehinderungen sind nicht wegzuleugnen und jeder der hier wohnt und arbeitet kann dies am eigenen Leib erfahren. Geht man davon aus, dass bei einem Spiel des SC Freiburgs noch weitere 35.000 Menschen sich auf den Weg ins Stadion machen, dann ist trotz Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und geplanter weiterer Verkehrsanbindungen mit einem zusätzlichen Aufkommen zu rechnen, besonders mit PKWs.

Welche Auswirkungen das auf die Zufahrt zu den Geschäften in unserem Stadtteil haben wird, ist vorhersehbar. Abgesehen davon, dass es zur Lenkung der Verkehrsströme zu Sperrungen von Straßen kommen wird. Auch sind Aussagen zur Nutzung des Stadions nicht abschließend geklärt. Zwar spricht die Stadt immer wieder von einem reinen Fußballstadion. Pläne, dass diese auch Gastronomieeinrichtungen für die angrenzende Universität, Veranstaltungsräume und weiteres enthalten soll, sprechen Bände und lassen auf weitere Nutzungen schließen. Auch die Frage nach Großveranstaltungen und Konzerten wurde nicht eindeutig beantwortet.

Die für das Stadion und dessen verkehrstechnische Anbindung nötigen Infrastrukturmaßnahmen lässt sich die Stadt 38 Millionen Euro kosten. Es handelt sich dabei um kalkulierte Kosten. Wobei schon von Seiten der Stadt auf einen Kostensteigerungskorridor von -/+ 10% hingewiesen wird. Geht man davon aus, dass den Kalkulationen die Kosten für mögliche Kampfmittelbeseitigungen, Verlegung einer Gashochdruckleitung sowie noch fehlende Park&Ride Plätze, Beschilderung etc. noch nicht berücksichtigt sind, werden die Kosten sicherlich erheblich höher liegen. Die jährlich anfallenden Kosten für Unterhalt und Instandsetzung sind ebenfalls nicht eingerechnet. Zusätzlich übernimmt die Stadt noch eine 80% -ige Bürgschaft auf die Baukosten des Stadionkörpers. In Anbetracht dieser hohen Summen stellen sich viele Bürgerinnen und Bürger die Frage, wie sich diese Kosten auf andere Vorhaben in der Stadt auswirken werden. Trotz gut gefüllter Kassen in den letzten Jahren sind viele Straßen, Brücken, Schwimmbäder, Kinderspielplätze, öffentliche Gebäude in einem maroden Zustand. Bisher wurde um jeden Euro gerungen und Sanierungen zurückgestellt. Doch nun sollen große Summen in die Infrastruktur zugunsten eines Stadions fließen. Sicherlich ist der SC ein wichtiger Gewerbesteuerzahler, doch auch andere kleinere und mittlere Unternehmen tragen zusammengerechnet zum Gewerbesteueraufkommen der Stadt Freiburg bei. Diese haben jedoch noch keine vergleichbare Förderung durch die Stadt erfahren.

Was passiert, wenn sich der SC dieses Stadion und die jährlich anfallende Pacht nicht mehr leisten kann? Die Allgemeinheit muss es dann richten. Was bleibt dann noch übrig für den Breitensport, die Kultur, die Bildung. Wo werden die Mittel eingespart? Die Mittel sind begrenzt und werden es in Zukunft auch bleiben.

Es gäbe noch viele Argumente, die gegen den Standort Wolfwinkel sprechen. Wir möchten Sie bitten, sich Ihre Meinung zu bilden, die Argumente abzuwägen und in Ihrem Familien- , Freundes- und Bekanntenkreis darüber zu sprechen. Sensibilisieren Sie Ihre Kundschaft am Bürgerentscheid teilzunehmen und sich für den Erhalt des Wolfswinkels einzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen

 

Uschi Jautz  Lucia Henseler
Uschi Jautz, 1. Sprecherin
Untere Lachen 12 | 79110 Freiburg
Tel. 0761 892020 | Mobil 0174 657 369 0
Lucia Henseler, 2. Sprecherin
Im Wolfswinkel 28 | 79110 Freiburg