PDF_iconEmail/offener Brief an:

Herrn Minister Franz Untersteller MdL
Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft BW
Konrad-Adenauer-Strasse 3
70173 Stuttgart

 

Sehr geehrter Herr Minister Untersteller,

mit großem Interesse haben wir das Interview zum Klimawandel im Südwesten in der SWR-Sendung „Kaffee oder Tee“ verfolgt. Link zur Sendung :

http://www.swr.de/kaffee-oder-tee/menschen/klimawandel-im-suedwesten/-/id=11783104/nid=11783104/did=14203620/1po3729/index.html

Die dort erwähnten Ausführungen zur Erwärmung der Innenstädte können wir anhand von persönlichen Erfahrungen in Freiburg nur bestätigen. An heißen Sommertagen steht die Luft in der Stadt, von Zirkulation ist nichts mehr zu spüren. Vor allem für ältere Menschen werden diese Tage zum Problem. Aber auch jüngere und gesunde Menschen sind in ihrer Leistungsfähigkeit an solchen Tagen sehr eingeschränkt.

Dr. Kai- Achim Höpker spricht in der Sendung sehr anschaulich darüber, dass dem Klimawandel und der damit einhergehenden Zunahme der Hitzetage im Rahmen der Stadtentwicklung Rechnung getragen werden muss. Dass Städte zukünftig entsprechende Vorbereitungen treffen müssen. Aus seiner Sicht sind es der Erhalt und die Erweiterung von Grünflächen im Stadtbereich sowie Maßnahmen, die die Zirkulation in Städten fördert.

Wir wurden hellhörig, da unsere Bürgerinitiative Pro-Wolfswinkel sich genau für diese Maßnahmen einsetzt. Freiburg hat für das Klima schon länger eine nachhaltige Stadtentwicklung als Leitbild festgelegt. Auf Basis der zahlreichen Analysen zum Freiburger Klima seit Beginn der 1970er Jahre bis hin zur Klimaanalyse 2003 bekennt sich die Stadt zu einem gesunden und ausgeglichenen Stadtklima als wesentlichem Element einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Sie legt zu Recht Wert darauf, Kaltluftentstehungsgebiete und Luftleitbahnen von Bebauung freizuhalten. Dazu wurde unter Berücksichtigung der lokalklimatologischen Gegebenheiten der Fünf-Finger-Plan entwickelt.

Freiburg liegt im wärmebelasteten Oberrheingraben, profitiert aber, anders als z.B. die beiden anderen Großstädte Karlsruhe und Mannheim, aufgrund seiner Lage am Ausgang des Dreisamtales von dem lokalen Windsystem des „Höllentälers“. Dieser Bergwind durchlüftet bei wolkenarmen Wetterlagen nachts große Teile der Stadt entlang der Dreisam und sorgt damit für eine Abkühlung der tagsüber erhitzten Gebäude. Wichtig zum Verständnis der stadtklimatologischen Besonderheiten ist nun, dass der „Höllentäler“ mit seiner Wohlfahrtswirkung nicht sämtliche Bereiche der Stadt erreicht. Dies gilt insbesondere für den Flugplatz und die direkt benachbarten Gebiete Mooswaldsiedlung und Brühl-Beurbarung bis hin zur Uni-Klinik. Mit dem nördlich anschließenden Mooswald bildet sich hier aber ein sensibles Eigenklima aus, in dem sich schwache Ausgleichsströmungen (Flurwinde) vorteilhaft auf die Lufttemperatur und die Durchlüftung der angrenzenden bewohnten Gebiete auswirken.

Folgerichtig ist hier im rechtsverbindlichen Regionalplan 1995 ein „Regionaler Grünzug“ ausgewiesen auf dem sich jegliche Bebauung verbietet. Dabei geht es nicht allein um Klimaschutz. Nach dem oben Gesagten muss es auch immer um den Schutz des Menschen vor Gesundheitsgefahren etwa bei Hitze gehen, denn aufgrund der demographischen Struktur der Freiburger Bevölkerung ist die Vulnerabilität (Verletzlichkeit) hier besonders hoch (2013: Mortalitätsrate 47% über Landesdurchschnitt!).

Vor dem Hintergrund der bereits real existierenden Gesundheitsrisiken für die Freiburger Bevölkerung ist es nicht nachvollziehbar, dass nach bereits vollzogener Verkleinerung des Grünfingers Flugplatz durch die Neue Messe und die vorgesehene Uni-Bebauung wider bisheriger Einsichten und Prinzipien die klimatologischen Bedingungen in der Nachbarschaft weiter verschlechtert werden sollen, und zwar durch die für ein geplantes neues SC-Fußballstadion notwendige Verschiebung des Baufensters der Universität nach Westen und den Baukörper des Stadions selbst.

Um dieses Stadion zu verhindern, hat sich die Bürgerinitiative Pro-Wolfswinkel gegründet. Für uns ist der Erhalt des Grünfingers Flugplatz mit dem angrenzenden Wolfswinkel und damit auch des Kaltluftentstehungsgebietes von großer Bedeutung für die Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung in den angrenzenden Wohngebieten. Wir wollen es nicht akzeptieren, dass eine der wertvollsten Grünflächen dem Kommerz geopfert werden soll.

Wir bitten Sie daher um Ihre fachliche Unterstützung. Wir suchen den fachlichen Diskurs und möchten mit Argumenten die Bevölkerung über das Vorhaben der Stadt informieren. Wir hoffen, dass sich diese dann in einem für Anfang Februar 2015 geplanten Bürgerentscheid sich gegen die Unterstützung des SC Freiburg durch die Stadt Freiburg aussprechen und damit den Standort Wolfwinkel erhalten. Wir bitten Sie höflich um ein schriftliches Statement zum Thema „Gesundheitsrisiken durch Klimawirkung“. Dieses möchten wir dann einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen und auf unserer Homepage veröffentlichen.

In unseren Reihen befindet sich auch Prof. Dr. Gerd Jendritzky, ehemaliger Leiter der Abteilung Medizin-Meteorologie des Deutschen Wetterdienstes in Freiburg und jetzt Professur für Meteorologie und Klimatologie an der Universität Freiburg. Von ihm stammen im Wesentlichen die in diesem Schreiben dargelegten Argumente zu den stadtklimatologischen Besonderheiten in Freiburg.

Bei Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

 

Uschi Jautz  Lucia Henseler
Uschi Jautz, 1. Sprecherin
Untere Lachen 12 | 79110 Freiburg
Tel. 0761 892020 | Mobil 0174 657 369 0
Lucia Henseler, 2. Sprecherin
Im Wolfswinkel 28 | 79110 Freiburg