Zum Thema Bürgerentscheid SC-Stadion hat der Landesnaturschutzverband eine Pressemitteilung herausgegeben.

Die Pressemitteilung kann hier im Original heruntergeladen werden


 

LNVLandesnaturschutzverband BW · Olgastraße 19 · 70182 Stuttgart

An die Freiburger Presse
PRESSEMITTEILUNG
zum Freiburger Bürgerentscheid
am 1. Februar 2015

Der regionale Arbeitskreis Freiburg-Kaiserstuhl des Landesnaturschutzverbandes (LNV) beurteilt die geplante Errichtung des SC-Stadions auf dem Freiburger Flugplatz mit großer Sorge. Im Hinblick auf den Bürgerentscheid am 1. Februar 2015 fordern die im Arbeitskreis zusammengeschlossenen Naturschutzverbände die Freiburger Bürger auf, in ihre Entscheidung auch Naturschutzargumente mit einzubeziehen.

Vieles spricht aus Sicht des Naturschutzes und einer nachhaltigen Nutzung der Freiburger Naturressourcen gegen den geplanten Bau des Stadions am Wolfswinkel:

– Das geplante Stadion und die Nebenanlagen wie Parkplätze, Trainingsfelder und die zuführenden Straßen benötigen große, bisher unbebaute Flächen auf dem Flugplatz. Obwohl beim Messegelände bereits große Parkplatzflächen zur Verfügung stehen, sollen zusätzliche für das neue Stadion gebaut werden. Das ist kein nachhaltiger Umgang mit der begrenzten Ressource Boden und Fläche.
Bedenkt man, dass Freiburg angesichts von aktuellen, unsicheren Wachstumsprognosen weitere Großprojekte wie einen neuen Stadtteil ins Auge fasst, wird
klar, dass in wenigen Jahren die letzten stadtnahen Freiflächen zugebaut sein werden. Das ist eine verhängnisvolle Politik gegen die Natur und gegen die erholungssuchende Stadtbevölkerung.

– Die Planungen zum SC-Stadion nutzen keine Synergien, um den Verbrauch an Landschaft und Natur möglichst klein zu halten. Der Eingriff in die Flächen ist maximal,
und das in einem Gebiet, das nach dem Freiburger Landschaftsplan ein Vorranggebiet für „Naturschutz und Landschaftspflege“ ist.

– Die ausgedehnten Wiesenflächen des Flugplatzes stellen eine besonderen Lebensraum dar, den es in dieser Art regional kein zweites Mal mehr gibt. Durch den flächenfressenden Bau des Stadions gehen diese wertvollen und geschützten Biotopflächen, die Lebensraum seltener Arten sind, unwiederbringlich verloren. Das Naturschutzrecht fordert für solche Verluste einen Ausgleich. Naturschutz-Fachleuten ist aber nicht klar, wie dieser Ausgleich geleistet werden kann. Bisher gibt es keine Erfahrungen, wie mehrere Hektar des zerstörten Biotoptyps „Bodensaurer Magerrasen“ an anderer Stelle wieder hergestellt werden können.

– Im Umkreis des neuen Stadions werden ca. 2.000 Parkplätze zur Verfügung stehen. Dadurch wird die Anreise mit dem PKW im Vergleich zum heutigen Stadionstandort deutlich attraktiver werden. Es ist damit zu rechnen, dass viele der Stadionbesucher nun mit dem PKW kommen werden – mit all den bekannten, negativen Begleiterscheinungen. Die Verbände lehnen eine solche rückwärts gewandte Verkehrspolitik entschieden ab. Sie verstößt auch gegen die Luftreinhaltepflichten der Stadt.

– Die Freiflächen des Flugplatzes sind wichtige Ausgleichsflächen für das städtische Klima. Die geplanten Bauten beeinträchtigen nach Aussagen von Meteorologen den Luftaustausch merklich. Die Bebauung des zentralen Flugplatzbereichs wird negative Auswirkungen auf die angrenzenden Stadtteile haben. Das läuft der Anpassungsstrategie des Landes gegen die Klimaerwärmung zuwider.

Der LNV-Arbeitskreis Freiburg-Kaiserstuhl fordert die Freiburger Bürger auf, die Argumente des Natur- und Umweltschutzes bei ihrer Entscheidung zum Bürgerbegehren zu berücksichtigen und sich für eine nachhaltige Stadtentwicklung zum Wohl von Mensch und Natur zu entscheiden.

* Im ehrenamtlich tätigen LNV-Arbeitskreis Freiburg-Kaiserstuhl sind die in Freiburg und Umgebung aktiven Naturschutzverbände zusammengeschlossen:

  • Luchs-Initiative
  • Badischer Landesverein für Naturkunde und Naturschutz (BLNN)
  • BUND (Regionalverband Südlicher Oberrhein und Ortsverband Freiburg)
  • Weißstorch Breisgau e.V.
  • NABU Freiburg e. V.
  • Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW)
  • Schwarzwaldverein.

 

Kontakt:

Dr. Ekkehard Köllner
Sprecher des LNV-Arbeitskreises
Eggstr. 20
Tel.: 0761 / 707 1957

Peter Lutz
Stv. Sprecher des LNV-Arbeitskreises
Tel.: 0761 / 3 80 53 15