Pressemitteilung_FR

Auszug mit Kommentaren Jendritzky zu Thema:

Umweltmeteorologie ist kein K.o.-Kriterium

Für in der Sache ausgeräumt hält das Bürgermeisteramt die Vorwürfe gegen das von der Stadt beauftragte Ingenieurbüro für die umweltmeteorologische Untersuchung (nein). Die Einschätzung des Sachverständigen basierte auf einer (drei)Simulation, die von einem pensionierten Freiburger Meteorologen (der sich als ehrenamtlicher Fluglehrer seit 40 Jahren die Strömungverhältnisse im Umfeld des Flugplatzes besser kennt als irgendein Schreibtischgutachter) im Namen der Bürgerinitiative gegen das Stadion Wolfswinkel als nicht ausreichend kritisiert worden ist. Der renommierte Meteorologe Prof. Helmut Mayer (Universität Freiburg) hat ausdrücklich bestätigt, dass die negativen Auswirkungen des Stadions nicht das Ausmaß und die Intensität eines K.O.-Kriteriums erreichen werde (was wäre denn ein K.o.-Kriterium); im übrigen habe die Stadt einen kompetenten Sachverständigen beauftragt, der methodisch korrekt nach dem Stand der Wissenschaft (nein; die Simulationsertgebnisse widersprachen den Beobachtungen und waren nicht durch Messungen validiert) vorgegangen sei. Das Untersuchungsprogramm war im Übrigen mit beiden (nein) Meteorologen im Vorfeld abgestimmt worden, und die Arbeit des externen Experten wurde von der Dialoggruppe unter Teilnahme der BI Pro Wolfswinkel auch eng begleitet. Daher war die Stadt sehr überrascht von einzelnen Äußerungen zur Qualität der Expertise (Die überraschenden Fehler in den Simulationseergebnissen hätte auch ein unvoreingenommener Laie durch Vergleich mit der Datenlage feststellen können). Das Baudezernat weist in der Ergänzungsdrucksache zu diesem Punkt ausdrücklich darauf hin, dass bei einem anstehenden Bebauungsplanverfahren ohnehin ein detailliertes umweltmeteorologisches Gutachten erforderlich wird, das Auskunft gibt über die Auswirkungen des Stadion-Baukörpers auf die klimatischen Verhältnisse am Flugplatz, das Erweiterungsgelände der Universität und für die Mooswald-Siedlung.

Der die BI Pro Wolfswinkel in Klimafragen beratende Meteorologe Prof. Dr. Gerd Jendritzky hat die o.g. verquere Darstellung des Sachverhaltes zum Anlass genommen und am 17.02.2014 per Email an OB Dr. Salomon mit Cc. an sämtliche Bürgermeister sowie an die Stadtratsfraktionen unten stehenden „Offenen Brief“ geschrieben. Im Anhang hat er eine auf Basis einschlägiger Literatur allgemeinverständlich verfasste Zusammenstellung der Fakten zu „Gesundheitsrisiken durch Wärmebelastung“ mit Fokus auf das Klima von Freiburg beigefügt.

 

Offener Brief vom 17.02.2014

 

Pressemitteilung vom 13.02.2014

Hier:    (1) Umweltmeteorologie ist kein K.o.-Kriterium

(2) Fakten zu Gesundheitsrisiken durch Stadtklima

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Salomon,

bei dem im o.g. Kapitel der Pressemitteilung der Stadt Freiburg vom 13.02.2014 zitierten pensionierten Freiburger Meteorologen handelt es sich vermutlich um Dr. Gerd Jendritzky, LRDir aD, Honorarprofessor für Biometeorologie an der Fakultät für Umweltwissenschaften und Natürliche Ressourcen der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Er hat in seiner aktiven Zeit als Leiter der Abteilung Medizin-Meteorologie der Bundesbehörde Deutscher Wetterdienst DWD sich in einer Reihe von Forschungsprojekten mit der Weltgesundheitsorganisation WHO intensiv mit Klimawirkungsforschung im Humanbereich befasst, über viele Jahre die Kommission für Klimatologie der Meteorologischen Weltorganisation WMO in Fragen der Biometeorologie des Menschen beraten und beim Gesundheitskapitel des IPCC WG2 Berichtes 2007 mitgewirkt.

Die im  o.g. Kapitel nur partiell richtige Darstellung will ich nur insoweit kommentieren, als ich die Logik der Stadt nicht nachvollziehen kann. Nachdem die Modellsimulationen des Gutachterbüros nicht einmal den Status quo reproduzieren konnten, wird von der Stadt in blumigen Worten beschrieben, was noch alles gemacht werden muss, um belastbare Aussagen zu erhalten. Das ist m.E. nichts anderes als die angelsächsisch höfliche Umschreibung dafür, dass schlicht keine belastbare Datengrundlage  vorliegt. Aussagen, dass die negativen Auswirkungen des Stadions nicht das Ausmaß und die Intensität eines K.-o.-Kriteriums erreichen werden, sind damit aus meiner Sicht zum jetzigen Zeitpunkt sachlich nicht begründet worden. In dem Zusammenhang lege ich Wert auf die Feststellung, dass jede einzelne Aussage in meinem Kurzreferat (das ich auf Wunsch gern zur Verfügung stelle) auf der Bürgerversammlung nachweisbar richtig ist.  Für noch bedeutsamer halte ich allerdings die Frage, was denn ein K.-o.-Kriterium im Bereich Klima denn eigentlich gewesen sein könnte, denn abweichend von z.B. Lärm oder Lufthygiene existieren für Klima keine (gesetzlichen) Grenzwerte. Woran wird also gemessen?

Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass im Jahr 2013 die Mortalitätsrate (Zahl der Todesfälle pro 100.000 Einwohner) in Freiburg fast 50% (!) über dem Landesdurchschnitt lag –was nicht vollständig mit der demographischen Struktur erklärbar ist-, habe ich auf Basis einschlägiger Literatur die Fakten zu „Gesundheitsrisiken durch Wärmebelastung“ allgemeinverständlich zusammen getragen und stelle das in der Anlage mit Fokus auf das Klima von Freiburg zur Verfügung. Danach zeigen epidemiologische Studien, dass Gesundheitsrisiken überproportional mit zunehmender Wärmebelastung zunehmen und signifikante Gesundheitsrisiken bereits aktuell mit der sehr häufig auftretenden „mäßigen“ Wärmebelastung verbunden sind. Daraus folgt zwingend, dass im Abwägungsprozess nach BauGB  der Nachweis zu führen ist, dass eine weitere Erhöhung der bereits vorhandenen Gesundheitsrisiken durch eine Baumaßnahme mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Letztendlich ist es eine politische Entscheidung: Was muten die Entscheidungsträger der Bevölkerung an zusätzlichem Gesundheitsrisiko zu?

Der bisherige Umgang der Stadt mit dem Thema „Klima“ lässt mich ein verbesserungswürdiges Problembewusstsein bzgl. der Planungsrelevanz von Klima vermuten. Ich rege deshalb an, die Anlage „Umweltmeteorologie: Fakten zu Gesundheitsrisiken durch Wärmebelastung in Freiburg“ den zuständigen Bereichen in Ihrem Hause zur Kenntnis zu geben. Es würde mich freuen dabei helfen zu können, in Freiburg einem Ziel von Stadtplanung, nämlich der Sicherstellung von gesunden Wohn- und Arbeitsbedingungen,  ein Stück näher zu kommen.

Mit freundlichen Grüßen

Gerd Jendritzky

 

Prof Dr Gerd Jendritzky

Chair of Meteorology and Climatology

University of Freiburg

Priv. Laerchenweg 3, D-79183 Waldkirch

Phone +49 7681 8585, Fax +49 7681 475273

gerd.jendritzky@meteo.uni-freiburg.de

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