Regionalverband
Südlicher Oberrhein
Reichsgrafenstr. 19
79102 Freiburg

 

Gesamtfortschreibung Regionalplan

Äußerung zum Planentwurf

Sehr geehrter Herr Dr. Karlin,
sehr geehrter Herr Schultz,
sehr geehrte Damen und Herren,

Ihnen, Herr Schultz, danke ich für die Einführung in den Planentwurf zur Gesamtfortschreibung des Regionalplans und für Ihre Erläuterungen zum Entfall des Regionalen Grünzugs über dem Mooswald und dem Flugplatz Freiburg.

Ich äußere mich hierzu folgendermaßen:

  1. Im geltenden Regionalplan ist ein recht großer Regionaler Grünzug über dem Mooswald und, soweit noch existent, über dem Flugplatz Freiburg als Planziel enthalten. Im Planentwurf ist dieser Grünzug nicht mehr vorgesehen.

Zur Begründung verwiesen Sie, Herr Schultz, in unserem Gespräch am 03.12.2013 auf das FFH-Gebiet des Mooswaldes. Damit bestehe ein Besiedlungsverbot, ein weiteres durch einen Regionalen Grünzug sei nicht erforderlich und nicht gewünscht. Die Restfläche des Flugplatzes sei zu klein, um regionalplanerisch bedeutend zu sein.

Dies überzeugt mich nicht. Denn der Regionale Grünzug im heutigen Ausmaß überdeckt nicht allein das FFH-Gebiet des Mooswaldes, sondern eben auch den Flugplatz. Mit dem Entfall des Regionalen Grünzuges würde die Besiedlung des Freiburger Flugplatzgeländes wieder möglich.

Es geht nun nicht an, allein wegen der geringen verbleibenden Größe der zu schützenden Fläche, wie sie nach Entfall des Grünzugs über dem Mooswald verbleibt, auch diesen Schutz (der Flugplatzfläche) entfallen zu lassen.

Richtig ist allein die Betrachtung der Gesamtfläche des bisher geltenden Grünzugs. Nur so kann der Flugplatz weiterhin als gewichtiges Element der Kaltluftversorgung der Umgebung erhalten bleiben. Seine Funktion als Kaltluftproduzent ist bedeutender als die (allenfalls aus regionalplanerischem Blick) geringe Größe der Fläche vortäuscht (siehe Karte der nächtlichen Strahlungstemperatur in Klimaanalyse Freiburg 2003).

Es fehlt auch nicht die Großflächigkeit als Anforderung für die Zielfestlegung an einen Regionalen Grünzug, denn er muss im Zusammenhang mit dem Mooswald gesehen werden. Dessen Schutz vor Besiedlung aus klimatologischen Gründen soll auch nicht beschnitten werden, sondern der Regionale Grünzug soll allein entfallen, um den doppelten Schutz durch FFH und Grünzug zu vermeiden. Wird so aber der Fortfall des Besiedlungsverbots auf dem Flugplatz begründet, so ist das eine bloß formale Argumentation, die die Sache verfehlt.

  1. An den Annahmen der Studie REKLISO (2006), auf die Sie ergänzend verwiesen haben, habe ich erhebliche Zweifel.

Auf der Basis von klimatologisch relevanten, objektiv bestimmten Arealtypen wird für eine angenommene autochthone Wetterlage mithilfe des Modells MetPhoMod (Perego, 1999) für die Nachtstunden eine mesoskalige Wind- und Temperaturfeld-Modellierung im 500 m Raster durchgeführt, die für das Klima als repräsentativ angenommen wird. Weil der für solche Wetterlagen typischerweise geringe Höhenwind bei dem Modell zu Artefakten führt (siehe Wiss. Ber. S. 35), wurden zwei Simulationen mit schwacher West- bzw. schwacher Ostanströmung gerechnet. Über die Verifikation der Rechenergebnisse ist nichts ausgeführt. Allerdings zeigen die auf ein 50 m Raster herunter gerechneten Karten mit Winden aus südöstlicher Richtung über dem Gebiet des Flugplatzes von Freiburg gegenüber den amtlichen Messungen der dort sich befindenden Wetterstation des DWD einen 180°-Fehler, wenn man die bei Hochdruckwetterlagen nachts mit weitem Abstand häufigsten Windrichtungen 330° und 360° als klimatologisch repräsentativ heran zieht. D.h., das Modell reproduziert, aus welchen Gründen auch immer, offensichtlich nicht die Realität!

Die Karte der mesoskaligen Wind- und Temperaturfeld-Modellierung bildet neben der räumlichen Verteilung der „Arealtypen“ eine wesentliche Grundlage für die Ableitung einer „Durchlüftungskarte“ und weiter zu den numerischen Bewertungsmodellen zu „Planungshinweise Zielbereich Durchlüftung, Lufthygiene, Thermische Situation“ sowie zur Synthese, der „Planungshinweise für die Regionalplanung“. Allerdings wird dabei der Wind nur skalar, d.h. richtungsunabhängig, betrachtet. Gleichwohl gibt es aus meiner Sicht keinen Grund anzunehmen, dass der Fehler in der Simulation eines klimatologisch repräsentativen Windfeldes sich auf die Richtung beschränken soll und nicht auch die Windgeschwindigkeit betrifft.

Zwar ist nicht ohne weiteres feststellbar, wo überall die Datengrundlage für die Planungskarten fehlerhaft ist, aber überall, wo der Fehler auftritt, müssen die Planungskarten Fehlentscheidungen in der Regionalplanung provozieren.

Die Nutzung der Ergebnisse aus REKLISO für die Fortschreibung des Regionalplanes für das Schutzgut „Klima“, und damit indirekt auch für das Schutzgut „Mensch“ steht demnach auf einer sehr fragwürdigen Basis.

  1. Im Ergebnis kann ich nicht sehen, dass die besondere klimatologische Bedeutung des Freiburger Flugplatzes, die sich im Zusammenwirken mit dem Mooswald ergibt, im Planentwurf richtig erkannt und gewürdigt wird.

Ich halte die regionale, und nicht nur auf die Stadt Freiburg beschränkte, Bedeutung des Besiedlungsverbots auf dem Freiburger Flugplatz für gegeben. Deshalb besteht sehr wohl die Legitimation des Regionalverbandes, am Regionalen Grünzug auf dem Flugplatz festzuhalten, zusammen mit dem FFH-Schutz des Mooswaldes.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Gerd Jendritzky

 

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